
Bücher aktuell
Resonanz - Eine Soziologie der Weltbeziehung
Hartmut Rosa analysiert das Wesen unserer Epoche der Spätmoderne anhand dem Gegensatzpaar von Resonanzerfahrung und permanenter Reichweitenvergrößerung. Gerade an letzterer kann sich die Entfremdung an der Welt leicht entzünden;
Vor zehn Jahren gelang es Hartmut Rosa mit seinem Werk „Resonanz – Eine Soziologie der Weltbeziehung“, ein nach wie vor uneingeschränkt gültiges Standardwerk zum Wesen unserer Zeit – namentlich der #Spätmoderne – vorzulegen.
Nicht hoch genug anzuerkennen ist dabei Rosas Bemühen, den Resonanzbegriff von jeglicher esoterischen Betrachtungsweise zu befreien und als Utopie ganz weltlich zu verankern. https://urli.info/1n91v
Nach wie vor an der Universität Jena am Institut für Sozialforschung tätig (siehe aktuelle Forschungsfelder unter https://urli.info/1n8Fy), geht es ihm darum, dem fehlenden Zukunftsglauben unserer westlichen Gesellschaftsordnung entlang des Gegensatzpaars von Resonanzerfahrung und Reichweitenvergrößerung etwas entgegenzusetzen.
Was zeichnet diese Epoche der #Spätmoderne überhaupt aus? Nach Rosa liegt ihr Hauptwesensmerkmal darin, dass die Stabilität der Gesellschaftsordnung nur durch Dynamisierung gelingt. Es bedarf also eines unaufhaltsamen Zwangs zu Wachstum, Beschleunigung und ständiger Innovation, um den Status quo erhalten zu können – was alle Teilnehmer und Institutionen zunehmend erschöpft.
Die Folgen spüren wir täglich: Sie münden nicht nur in steigenden Burn-out-Zahlen und immer häufigeren psychischen Krankheitsbildern in immer jüngeren Jahren, sondern führen auch zu einer Art Weltverstummung – also dem Verlust von Resonanzfähigkeit. 
Eine weitere Ursache liegt in der Entwicklung hin zur singularisierten Lebensführung, die mittlerweile typisch geworden ist und umfassend von Andreas Reckwitz untersucht wurde (Die Gesellschaft der Singularitäten, 2017; kommt nächstes Jahr zur Relektüre https://urli.info/1snjf). Wo jeder nach Einzigartigkeit strebt und die Logik des allgemeinen Glücksversprechens abstreift, bleibt am Ende auch jeder selbst für sein Seelenwohl und ein gelingendes Leben verantwortlich.
Wir träumen von einer individuellen Vergrößerung unserer Weltreichweite, indem wir die Welt zunehmend beherrschbar machen, sie dadurch aber auch zum Verstummen bringen. Will man mit ihr wieder verbunden sein, bedarf es nicht der Kontrolle, sondern eines Dialogs – inklusive der Gefahr eines ungewissen Ausgangs.
Das Wesen der #Resonanz ist also unvereinbar mit Beschleunigung: Resonanz braucht Zeit – sie widersteht der Logik der Effizienz, sie verspricht keine Garantien, sondern Möglichkeiten. Man kann sie nicht besitzen, sondern nur erfahren – wie ein flüchtiges Ereignis, wie ein Akkord, der verklingt. Gerade ihre Vergänglichkeit macht sie kostbar.
Ob auch die Präsidentschaft von #DonaldTrump aufgrund ihrer Vergänglichkeit im Nachhinein mit etwas Kostbarem verbunden wird, muss an dieser Stelle – trotz großer Zweifel – offenbleiben. Als resonante Strategie empfiehlt sich, den „Alltagsbewältigungsverzweiflungsmodus“, in den uns minütlich abgesetzte #TruthSocial-Tweets treiben wollen, abzustellen – etwa, indem man sich stattdessen diesem tollen Buch widmet.
Selbstbestimmt leben – eine bessere Welt ist möglich.

Lassen Sie uns ins Gespräch kommen
Lassen Sie uns ins Gespräch kommen. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Oder einfach anrufen: +4369919410337